Zusammenfassung
In den letzten Jahren wurde das Internet zum Medium
einer entstehenden globalen Zivilgesellschaft, in der Bürger in
zunehmendem Maße ihr Geschick selbst in die Hand nehmen wollen.
Selbstorganisierte NGOs, virtuelle Communities und globale Vernetzungen
Gleichgesinnter nutzen das Internet intensiv für Kampagnen und zur
Informierung bzw. Mobilisierung ihrer Anhänger. Auf der Grundlage eines
gewissen Maßes an gemeinsamen Interessen und Idealen, die es
ermöglichen, auch mit außerhalb der eigenen Lebenswelt Stehenden
solidarisch zu sein, werden die besondere technische und
organisatorische Struktur des Internet, wie zum Beispiel seine
Dezentralität, genutzt, um Verbundenheit innerhalb solcher Gruppen zu
schaffen und aufrechtzuerhalten. Das Internet hat dabei eine mehrfache
Funktion als Medium, Werkzeug und politischer Raum, in dem
solidarisches Handeln angeregt und organisiert wird. In diesem Artikel
wird die Frage der Entstehungsbedingungen von Solidarität im Netz mit
Walter Benjamins „Thesen über den Begriff der Geschichte“ diskutiert.
Dabei zeigt sich, dass sich mit der Folie der „Thesen“ Form und Inhalt
einer demokratisch mobilisierenden Internetseite besser bestimmen
lassen. Weiter lässt sich schließen, dass Solidarität weniger durch
Nutzung des Netzes als „Megaphon“ erreicht wird, als durch den Gebrauch
des Internets als integratives Organisationsmedium.