Praktiken
des Bloggens im Spannungsfeld von Demokratie und Kontrolle
von Julia Franz (,Diskursive
Formationen’ http://blog.twoday.net)
Zusammenfassung
Das Phänomen des Webloggens entwickelt sich seit den letzten Jahren
auch in Deutschland stetig weiter. Die Anzahl der (deutschen) Weblogs
hat die Tendenz sich halbjährlich zu verdoppeln. Eine wissenschaftliche
Diskussion der Praktiken des Bloggens steht bisher jedoch noch ganz am
Anfang. Im Anschluss an das Konzept der Gouvernementalität von Michel
Foucault und die an ihn anschließenden Governmentality Studies wird in
diesem Beitrag davon ausgegangen, dass Macht als Führung der eigenen
Selbstführungen verstanden werden kann und auf alle Individuen einer
Gesellschaft einwirkt. Die damit verbundene Form der Subjektivität,
deren Idealfigur das ‚Unternehmerischen Selbst’ darstellt impliziert
einen doppelten Subjektbegriff: Auf der einen Seite muss sich das
Subjekt den ökonomisch herrschaftlichen Zwängen unterwerfen, auf der
anderen Seite enthält es auch Potenziale zur Selbsterkenntnis und
Selbstverwirklichung. Die Praktiken des Bloggens verweisen nun
gleichermaßen auf ein doppeltes Potenzial. Weblogs können die
Möglichkeit bieten, Informationen demokratisch zu verbreiten,
gleichzeitig bilden sich aber auch Kontroll- und
Selbstregierungsmechanismen durch das Veröffentlichen persönlicher
Beiträge. Dieses Spannungsfeld von Demokratie und Kontrolle wird in
diesem Artikel diskutiert. Als Beispiel für die demokratische Wirkung
von Weblogs werden Blogs in Krisengebieten und politische Blogs zur
Meinungsbildung herangezogen. Die Selbstführungspraktiken des Bloggen
werden anhand von Weblogs im Umfeld von Unternehmen verdeutlicht.
(pfd)
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