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Für diejenigen, die einen Vortrag halten, findet sich die Formatvorlage für den Textbeitrag für die Veröffentlichung hier zum Herunterladen.

Das Tagungsprogramm kann hier heruntergeladen werden. Die Abstracts der angenommenen Beiträge ist im Menue unter Abstracts zu finden.

Unter "Unterkunft" finden Sie einige Hotels, die uns auf Anfrage Sonderpreise für die Tagung zur Verfügung gestellt haben.


Anmeldung zur Tagung ist bis zum 31.08.2007 hier möglich


Inhalt:
Ein neues Paradigma

Wann und Wo?

Call for Papers

Zeitplan

Anmeldung

Kontakt

Mailingliste SNA-DE

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Call for Papers:

"Ein neues Paradigma in den Sozialwissenschaften: Netzwerkanalyse und Netzwerktheorie“
 

Warum neues Paradigma?

Die klassische quantitative und die mittlerweile fest etablierte qualitative Sozialforschung sind in vielen Bereichen an ihre Grenzen gestoßen. Dies gilt insbesondere für Wahlforschung, Motivations- und Konsumforschung. Soziale Prozesse der Interaktion zwischen Interviewer und Befragtem beeinflussen die Umfrageergebnisse in vielen Fällen wesentlich. Auch die qualitative Forschung tut sich, obgleich es hier vielversprechende Ansätze gibt, hinsichtlich der Reichweite der dort getroffenen Aussagen nach wie vor schwer.

Ursache für die Probleme der Umfrageforschung ist, dass die Menschen aus ihrem sozialen Beziehungszusammenhang herausgelöst untersucht werden. Es werden dann Individualmerkmale aggregiert, gruppiert und kontrastiert. Warum Menschen handeln und wie sie handeln, lässt sich daraus kaum erklären, denn Handeln ist an die Sozialität gebunden. Die Identitäten der Menschen und sozialer Gebilde bilden sich erst in der Auseinandersetzung zwischen den Akteuren heraus. Dies bedeutet, dass eine Untersuchung der Menschen unter Einbeziehung ihres Beziehungskontextes, wie dies in der sozialen Netzwerkanalyse der Fall ist, viel erfolgversprechender erscheint.

Dabei sind Probleme der quantitativen und qualitativen Forschung nur ein Symptom für die Notwendigkeit der neuen (eigenständigen oder nur ergänzenden?) Forschungsrichtung. In anderen Disziplinen zeigte sich ebenfalls, dass die direkte Analyse von Beziehungen, bzw. die Beachtung von Beziehungen zu wesentlichen Erkenntnisfortschritten führen kann. Die in den einzelnen Disziplinen verwendeten Methoden und Theorien sind in großen Teilen übertragbar und wenn nicht, können sie in den Fächern Denkanstöße liefern oder sie führen zu Kooperationen.

Mittlerweile ist die soziale Netzwerkanalyse in den USA zum vorherrschenden Sozialforschungs­paradigma aufgestiegen. Im deutschsprachigen Raum gab es eine erste Generation der Netzwerk­forscher, die häufig Erfahrungen aus den USA mitbrachten. Dieser Generation ist es aber nicht gelungen, die Netzwerkforschung im deutschen Sprachraum in der Ausbildung dauerhaft zu etablieren. Ein Zeichen dafür, dass das neue Paradigma im deutschsprachigen Raum noch nicht angekommen ist, zeigt sich daran, dass Lehrstühle für empirische Sozialforschung/Methoden nach wie vor mit Widmungen lediglich für quantitative und/oder qualitative Methoden ausgeschrieben werden. Dagegen sind selbst Ausschreibungen in inhaltlichen Feldern (etwa Kommunikations­forschung, Organisationsuntersuchungen etc.) in den USA sehr häufig explizit mit Netzwerkanalyse verbunden.

Obgleich es im deutschsprachigen Raum schon eine Reihe jüngerer und eher vereinzelter Netzwerkforscher gibt, kann man sagen, dass hier ein deutlicher Nachholbedarf besteht. Dies zeigt sich auch daran, dass neben den enormen neuen Grundlagenforschungsperspektiven, welche die Netzwerkanalyse bietet, vor allem in den USA bedeutende praktische Anwendungen entstanden sind. Hier ist der sich entwickelnde Beratungsmarkt für Organisationsberatung auf Grundlage von Netzwerkanalyse zu nennen, bei der sich in den USA die bedeutendsten Unternehmen engagieren.[1] Die enorme Wertschöpfung, die mit praktischen Anwendungen von Erkenntnissen der Netzwerkanalyse verbunden sein kann, zeigt der furiose Erfolg von Freundschafts- und Business Netzwerken im Internet. Das Potential wird gegenwärtig von verschiedenen Disziplinen erst ausgelotet.

Dabei reicht es nicht, den internationalen Entwicklungen zu folgen. Gerade in der deutschen Soziologie finden sich zahlreiche Anknüpfungspunkte, die international nicht ausreichend wahrgenommen werden, etwa die Tradition der formalen Soziologie. Georg Simmel (1908) beispielsweise hat vieles von dem, was heute als „neu“ betrachtet wird, in seinem Werk bereits vorweggenommen. Gegenüber den USA ist die mitteleuropäische Theorietradition im Vorteil, da der in Amerika vorherrschende methodologische Individualismus dem Entstehen eines „neuen“ Strukturalismus enge Grenzen setzt.[2] In jüngster Zeit mehren sich auch die Anzeichen, dass die Systemtheorie, vor allem in der von Niklas Luhmann entwickelten Fassung eine gute Chance hat, vermehrt in netzwerkanalytischen Ansätzen aufgegriffen zu werden.

Obgleich es zahlreiche Untersuchungen zur sozialen Netzwerkanalyse bereits gibt, und die Mächtigkeit der Netzwerktheorie und –analyse gut dokumentiert ist, sind sehr viele Fragen innerhalb dieses neuen Forschungsparadigmas immer noch offen.

Offene Fragen sind beispielsweise:

-          Lassen sich Teile der Umfrageforschung durch adäquatere empirische Netzwerkanalyse ersetzen? Was konkret kann wie ersetzt werden?

-          Wie kann man qualitative und quantitative Untersuchungen mit Netzwerkanalysen kombinieren? Beispielsweise im Sinne von „flesh and bone“-Modellen (Schweizer).

-          Metaphorischer, inhaltlicher und formaler Gebrauch des Netzwerkbegriffs – welche Grenzziehungen gibt es?

-          Wie lässt sich die Dynamik in Netzwerken operationalisieren?

-          Unter welchen Umständen sind Netzwerkbeziehungen stabil?

-          Lassen sich Theorien zur Netzwerkanalyse auch empirisch nachweisen?

-          Wie genau wirkt der Beziehungskontext auf das Handeln? Ist dieser Zusammenhang beschreibbar?

-          Inwiefern ist die empirische Netzwerkforschung auf die Netzwerktheorie bezogen und umgekehrt?

-          Kann der Relationalismus den methodologischen Individualismus ablösen?

-          Wenn man Netzwerktheorie als Strukturalismus beschreibt, wie kann man den alten Kritiken am Strukturalismus an der Geschichtslosigkeit und der mangelnden Einbeziehung kultureller Faktoren begegnen?

-          Welche Abgrenzungen und Gemeinsamkeiten gibt es zur traditionellen Makro- und Mikrosoziologie, Rollentheorie und zur Systemtheorie?

-          Interdisziplinarität: Hilft das neue Paradigma der sozialen Netzwerkanalyse Fächergrenzen zu überwinden? Wo bringt eine Zusammenarbeit die verschiedenen Disziplinen voran?

-          Was hat die deutsche sozialwissenschaftliche Tradition zu bieten? Anknüpfungspunkte könnten hier vor allem die Formale Soziologie und die Systemtheorie sein. Gerade in der Netzwerkanalyse liegen viele Wurzeln in der deutschen soziologischen Theoriegeschichte – diese werden international kaum beachtet.

-         Welches sind die Besonderheiten der deutschsprachigen Sicht, die im internationalen Rahmen eingebracht werden können? Solche Sichtweisen sind bekannt aus der Wissenschaftsgeschichtsschreibung (Ekeh) für Individualismus amerikanischer Prägung und Kollektivismus französischer Prägung.[3]

 

 Die Tagung ist interdisziplinär ausgerichtet, denn:

o An der Entwicklung der sozialen Netzwerkanalyse waren Vertreter/innen unterschiedlicher Fachgebiete (Ethnologie, Soziologie, Mathematik, Physik, Psychologie) beteiligt. Heute kommt mindestens noch die Informatik hinzu. Die Netzwerkanalyse stößt auch in angrenzenden sozial- und geisteswissen­schaftlichen Fächern auf große Resonanz: z.B. Wirtschaftswissenschaften, Geografie, aber auch Germanistik und Linguistik.

o  Über die Methoden und theoretischen Zugänge ist ein interdisziplinärer Austausch möglich, der ansonsten häufig auf Widerstände stößt.

o     Ziel ist es, die verschiedenen Disziplinen mit ihren Anforderungen und Vorstellungen zusammen zu bringen und mögliche Synergien offen zu legen.

Die Tagung richtet sich an alle, die auf dem Gebiet der sozialen Netzwerkanalyse forschen. Dabei ist vor allem an Wissenschaftler an Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen gedacht. Die Tagung richtet sich aber auch an Praktiker, denn die Netzwerkanalyse hat einen Stellenwert nicht nur in der Unternehmensberatung und in der Konstruktion von „Social Software“. Zahlreiche Fragestellungen der Praxis sind von den akademischen Netzwerkforschern lösbar. Herausarbeitung der Übertragungspotentiale von Netzwerkanalyse in Anwendungen in der Wirtschaft.

Wann und Wo?
Die Tagung ist für Do, 27.09.07-Fr, 28.09.2007 an der Universität Frankfurt geplant.

Call for Papers

Welche Inhalte werden erwartet?
Neben der Vorstellung von Fallstudien, an denen das Potential der Netzwerkanalyse verdeutlicht werden kann, werden explizit Beiträge, die auf die Weiterentwicklung der Netzwerktheorie hinzielen, erwartet. Hinsichtlich der „Theorie“ wird dabei ein Bezug zur Empirie erwartet. Das bedeutet, dass die diskutierten Theorien einen Anschluss zur sozialen Netzwerkanalyse und den empirischen Studien aufweisen sollten. Wünschenswert wäre für die Fallstudien ebenfalls ein Bezug zur Theorie.

Da die Netzwerkanalyse ein interdisziplinäres Unterfangen ist, richtet sich das Call for Papers an die Vertreter verschiedener Fächer. Es ist beabsichtigt, die einzelnen Beiträge intensiv zu diskutieren. Nicht erwünscht sind Beiträge, die lediglich Forschungsvorhaben beschreiben.

Erwartet werden einseitige Vortragsvorschläge bis 30.04.2007. Werden die Vorschläge akzeptiert, sollen die fertigen Papiere bis zum 15.09.2007 vorliegen. Eine Veröffentlichung ist geplant.

Zeitplan:


Geschlossen
Einreichung von Abstracts für die Tagung bis:


Schicken Sie die  Abstracts bitte an:
stegbauer@soz.uni-frankfurt.de

30.04.2007

Abstracts können per Formular übermittelt werden

Rückmeldung zu den Abstracts:

Ende Mai

Anmeldung zur Tagung:


Eine Möglichkeit zur Anmeldung wird  voraussichtlich auf dieser Seite ab etwa Mitte Mai verfügbar sein.

Die Anmeldung ist geschlossen

Fertige Papiere:

15.09.2007
bitte per E-Mail an mich senden!

Tagung:

27.-28.09.2007


Kontakt:

PD Dr. Christian Stegbauer
Johann Wolfgang Goethe-Universität
Fachbereich Gesellschaftswissenschaften
Institut für Gesellschafts- und Politikanalyse
60054 Frankfurt

E-mail: stegbauer@soz.uni-frankfurt.de
Tel. 069 – 798 23543

Mailingliste:

Im November 2006 wurde eine Mailingliste zur sozialen Netzwerkanalyse
SNA-DE gegründet mit deren Hilfe Aktivitäten auf diesem Gebiet verbreitet werden und Informationen ausgetauscht werden können. Informationen hierzu unter:

https://dlist.server.uni-frankfurt.de/mailman/listinfo/sna-de


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[1] Nur ein Beispiel: https://webapp.comm.virginia.edu/NetworkRoundtable/MemberOrganizations/tabid/39/Default.aspx (02.02.2007).

[2] Zu den kulturellen Grundlagen vorherrschender Theorieströmungen siehe Ekeh (1974).

[3] Zu unterschiedlichen Wissenschaftskulturen, siehe Galtung (1981).